Woher kommt Improtheater?


Vorsicht. Viel Information!

 

 

Noch bevor die Menschen Stücke auf Papier gebracht - oder in Stein gemeisselt - hatten, wurde Theater gespielt, und zwar improvisiertes Theater.

Es ist eben doch nur eine Legende, dass die Vergesslichkeit mancher Schauspieler die Geburtsstunde des Impro-Theaters war.

 

Im europäischen Raum bekannt wurde improvisiertes Theater vor allem durch die Commedia dell´ Arte, ausgehend von Italien Mitte des 15. Jhdts. Knapp 200 Jahre begeisterte dieses spontane Strassentheater durch seine typischen Figuren, die innerhalb eines gewählten Szenarios ihre Dialoge frei entwickelten.

 

In der Folgezeit fand Improvisationstheater im breiteren Rahmen kaum Beachtung - bis zu seiner Wiederentdeckung im 20. Jhdt.!

 

Die aus Chicago stammende US-Amerikanerin Viola Spolin wird oft als die "Mutter" des heutigen Improvisations-Theaters genannt. Als Theaterpädagogin und Schauspielerin versuchte sie schon um 1920, ihre Schüler auf "unverkopfte" Weise an die Schauspielerei heran zu führen. Dabei machte sie aus ihrer Not eine Tugend: sobald Schauspieler sich in eine Szene verrannt hatten, ohne tatsächlich den Zugang zu finden, entwickelte Spolin ein passendes Spiel, um ihnen aus der Sackgasse, und damit zurück zum Darstellen zu helfen.

 

So entstand nach und nach eine Sammlung von sogenannten "theater games", von denen sich einige in ihrem Buch "Improvisation for the Theater" ("Improvisationstechniken für Pädagogik, Therapie und Theater", Junfermann Verlag ´83) wieder finden.

Entscheidend an der Entstehung des Buches beteiligt war ihr Sohn, Paul Sills. Mitte der 50er Jahre war er einer der Gründer der ersten professionellen Impro-Theater-Gruppe namens "The Compass" in Chicago. Mit dieser Gruppe testete und verfeinerte er das Konzept seiner Mutter in der Praxis.

 

Von da an wurde Imrovisationstheater stetig populärer, wenn auch zunächst nur in den USA.

 

Den entscheidenden Kick bekam das Impro-Theater in den 70er Jahren durch die Entwicklung einer Art sportlichen Wettkampf-Imro-Theaters, des Theatersport™.

 

Diese Version des Impro-Theaters geht auf den heute in Kanada lebenden Briten Keith Johnstone zurück. Sein Name ist untrennbar verbunden mit Impro-Theater.

Johnstone, selbst Theater-Schriftsteller und Schauspiellehrer, entwickelte Theatersport™ vornehmlich aus drei Gründen.

 

Zum einen bemerkte er bei manchen Schauspielern, die seinen Unterricht besuchten, dass ihnen teilweise Kreativität und die Lust am Spiel fehlten. Mit Hilfe von improvisierten Szenen gelang es ihm - wie zuvor schon Viola Spolin - das Eis zu brechen und Ideen wach zu rütteln.

 

Ausserdem litt das klassische Theater nach Johnstone´s Ansicht darunter, dass es zu elitär konzipiert war und somit einen großen Teil der Bevölkerung verschreckte. Diese Schwellenangst wollte er dem Durchschnitts-Bürger durch ein bodennahes Theater nehmen, das vor allem unterhalten sollte.

 

Des weiteren empfand Johnstone die Trennung von Publikum und Darstellern durch Bühne und Beleuchtung oftmals als starr. Die Zuschauer sollten mehr Einfluss auf das Bühnengeschehen haben, und nicht durch einen Graben in jeder Hinsicht von den Darstellern getrennt sein.

 

Den entscheidenden Verknüpfungspunkt gab ihm eine Sportveranstaltung, die er schon als Junge mit seinen Eltern besucht hatte: das Wrestling.

Das Publikum und die Akteure im Ring stehen bei diesem Show-Sport schon allein räumlich in engem Kontakt. Durch ständigen verbalen Schlagabtausch ergab sich für ihn ein prickelndes Spiel der Kräfte, das die Besucher bannte und unterhielt.

 

So entstand Theatersport™ als Wettkampf zwischen verschiedenen Impro-Gruppen, bei dem ein Schiedsrichter für Recht und Ordnung sorgt, und ein Moderator durch den Abend führt. Das Publikum kann sich bei dieser Veranstaltung durch Zuruf oder sogar aktive Teilnahme auf der Bühne sehr stark einbringen. Nicht zu vergessen: Rosen und Schwämme, die am Eingang gekauft und später geworfen werden können, verleihen den Gefühlen des Publikums noch stärkeren Ausdruck!

Theatersport™ soll vor allem eines: Spass machen!

 

In Form von Theatersport™ gelang dem Impro-Theater um 1980 der Sprung über den großen Teich nach Europa. In Deutschland entwickelten sich erste Impro-Gruppen gegen Ende der 80er Jahre. Die Zahl der Infizierten stieg in den letzten Jahren rasant an und läßt sich kaum mehr nachvollziehen - außer man ist im dreistelligen Zahlenraum sicher unterwegs.

 

Ob Theatersport™, abendfüllende Show-Veranstaltungen oder Themen-Impros mit unterschiedlichsten Schwerpunkten (z.B. Shakespeare): Impro-Theater findet in unzähligen Variationen statt, ohne dass ein Ende des Ideen-Reichtums in Sicht wäre!

 

Und wenn´s scho net schee macht: es erhält jung!!